Das externe Zwischenlager des KWO

Die Atomindustrie AKW ist dazu verpflichtet, die Entsorgung verbrauchter Brennelemente (BE) und des übrigen radioaktiven Abfalls nachzuweisen. Zunächst war vom Gesetzgeber vorgesehen, zur Entsorgung all dieser Abfälle ein Endlager einzurichten, was jedoch bis heute ein Wunsch blieb, der vielleicht nie in Erfüllung gehen wird. Somit war die geregelte Entsorgung des radioaktiven Abfalls nicht mehr nachweisbar. Die AKW hätten über kurz oder lang den Betrieb einstellen müssen. Um die Atomindustrie zu retten, bot die CDU-/FDP-Koalition den Betreibern der AKW die Möglichkeit, den Entsorgungsnachweis durch Einrichtung sog. Zwischenlager ihres Atommülls und insbesondere der verbrauchten BE zu führen.

Bereits Ende 1976 beantragte die KWO GmbH den Bau u. Betrieb eines Notstandssystems mit einem Lagerbecken für verbrauchte BE. Ein solches Notstandssystem war aus Sicherheitsgründen unerlässlich, um bei Störfällen den Reaktor von einer Warte aus steuern zu können, die außerhalb des Reaktorgebäudes liegt. Das BE-Lagerbecken im Notstandsgebäude sollte ausschließlich dazu dienen, um in Notfällen die Brennelemente aus dem Reaktorgebäude auszulagern.
   

Der damals zuständige Bundesminister des Inneren (Vorgänger des Bundesumweltministers) war mit dem Vorhaben einverstanden unter der Bedingung, dass das radioaktive Material der Gesamtanlage KWO durch die Lagerung der verbrauchten BE nicht erhöht wird.
Die Genehmigungsbehörden waren der Überzeugung, dass eine öffentliche Erörterung mit der Möglichkeit, Einwendungen geltend zu machen, nicht notwendig sei, da die geplante Baumaßnahme ausschließlich der Erhöhung der Sicherheit diene. Im August 1978 erhielt KWO die Erlaubnis zur Errichtung des beantragten Notstandssystems. Die Lage dieses Baus ist aus der Abbildung ersichtlich. In der Genehmigung wurde festgelegt, dass nur 201 verbrauchte BE für kurze Zeit im BE-Lagerbecken untergebracht werden dürfen.
Ende 1992 beantragte die KWO GmbH die Inbetriebnahme des Lagerbeckens im Notstandsgebäude, um statt der genehmigten 201 nun 980 abgebrannte BE lagern zu dürfen. Hierfür war eine Beteiligung der Öffentlichkeit unumgänglich. Das Umweltministerium Baden-Württemberg (UM) vertrat zwar -übereinstimmend mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts - die Ansicht, dass die früher erteilte Genehmigung keinen Bestand mehr hätte und das gesamte Notstandssystem diskutiert werden müsste. Über diese Ansicht der Aufsichtsbehörde setzte sich das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg (WM) als Genehmigungsbehörde hinweg.

Gegen die vorgesehene Lagerung der 980 verbrauchten BE im externen Zwischenlager erhoben etwa Gemeinden, Verbände und BürgerInnen über 4700 Einwendungen. Die Erörterung fand im Nov. 1995 statt. Der Versammlungsleiter - ein leitender Beamte der WM, weigerte sich strikt, auf Einwände gegen das gesamte Notstandssystem einzugehen, obwohl mittlerweile dessen Sicherheitsdefizite bekannt waren. Es kam, wie es immer abläuft: Die Einwendungen wurden zurückgewiesen, das Zwischenlager vom Wirtschaftsministerium in Stuttgart wurde am 26-10.1998 genehmigt - ein Tag vor der Vereidigung der neuen Bundesregierung.

Das Zwischenlager des KWO ist ein Sonderfall. Die verbrauchten BE werden in einem mit Wasser gefüllten Becken gelagert; die Kühlung der eine enorme Hitze entwickelnden BE erfolgt durch die Kühlwasserzirkulation. Weltweit werden in den meisten AKW die verbrauchten BE in Castorbehälter eingefüllt, die dann in einer großen Halle stehen und durch die natürliche Luftströmung gekühlt werden.

In der nebenstehenden Abbildung ist das Notstandsgebäude mit seinen Einbauten schematisch dargestellt. Unter dem Dach sind wichtige Anlagenteile installiert. Zu- und Abluftanlagen, Leittechnik, elektrische Schaltanlagen etc. Das Lagerbecken ist durch Betonwände von den übrigen Bereichen des Gebäudes abgeteilt.

Notstandsgebäude und Brennelemente-Lagerbecken sind in vielfältiger Weise mit der Gesamtanlage technisch verknüpft, können also nicht als getrennte Einheiten betrachtet wenden. Dies gilt insbesondere für die Zu- und Abluftversorgung, die Versorgung mit Kühlwasser, das Feuerlöschsystem, die
Energieversorgung, die Leittechnik und vieles Andere mehr. Bei Störfällen, vor allem bei Kühlmittelverlust, wird das Kühlwasser des BE-Lagers zur Kühlung des Reaktors benötigt. Die hieraus erwachsenden Sicherheitsprobleme des KWO werden an anderer Stelle diskutiert.